Widerständig Campen und zusammen-Raufen

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Liebe Freund_innen des widerständigen Campings,

uns freut, dass wir aus allen Teilen der Bewegungen hören, dass es ein grosses Begehren gibt, nach Heiligendamm wieder gemeinsam zu raufen. Viele haben sogar gehofft, dass es schon in diesem Jahr klappt, dass man gemeinsam- spektrenübergreifend- wieder zusammen etwas bewegt. Bei aller inhaltlichen Differenzierung in Schwerpunktthemen (single-issue politik), die über die letzten 20-30 Jahre die Sozialen Bewegungen vielfältig werden liess: vor und während Heiligendamm ist man wieder zusammen gerückt. Die Graben wurden übersprungen und es fand weitestgehend nicht nur eine solidarische Bezugnahme aufeinander statt, sondern es wurde hier und da gemeinsame Sache gemacht. Das war und ist keine Selbstverständlichkeit. Alle Bewegungen haben schon ihr jeweiliges Scheitern hinter sich, Heiligendamm hat aber gezeigt: winning is possible!

Unserer Ansicht nach gehört zum kraftvollen sozialen Kampf, der auch mal kleinere Siege erringt, die spektrenübergreifende Zusammenarbeit. Nicht unter allen Bedingungen, nicht ohne lange Diskussionen und schwierigen, manchmal demotivierenden Streits. Aber einen Versuch gemeinsame Politik zu machen ist es immer wert.

Die von uns auf das Tableau der Bewegung gebrachten Perspektiventage hatten gezeigt, dass man versuchen will da weiter zu machen, wo man im letzten Jahr aufgehört hatte. Auch wenn nicht von allen Spektren Leute da waren. Aber mehr noch: die Veränderung der Diskussionskultur, bei der weniger von Bewegungsmanager_innen die Richtung vorgegeben wurde, sondern immer wieder die Diskussion sich „von unten“ heraus entfaltete, liessen hoffen, dass wieder richtig Bewegung ins Spiel gekommen ist.

Mit Freude nehmen wir auch war, dass Camps breiter als in den Jahren zuvor zu Widerstands- und Aktionsformen an sich werden. In diesem Jahr sind es vier, von denen wir hörten, dass sie sich irgendwie auch auf den Heiligendamm Protest beziehen:

das Klimacamp bei Hanau ist geplant vom 5.-13.07.2008 http://www.klimacamp.org das Camp gegen den Bombenabwurfplatz der Bundeswehr („Bombodrom“) Mitte Juli diesen Jahres http://www.freieheide-nb.de/ das Camp in Büchel gegen die Stationierung von Atomwaffen in Deutschland vom 23.-31.08.2008. http://www.atomwaffenfrei.de/ das Antirassistische Camp in Hamburg vom 17.- 24.08.2008

Am meisten wurde in letzter Zeit über das Klimacamp und das AntiRa-Camp geredet. Gerade dem Klimacamp traute man zu, dass es am ehesten das grosse spektrenübergreifende Ereignis nach Heiligendamm werden könnte.

Schwierige Diskussionen in verschiedenen Formen wurden geführt um zu versuchen, wenigstens das AntiRa- und das Klimacamp zusammen zu bringen. Wie seltenst in den Bewegungen wurde dies sogar auf einem Grosstreffen mit vielen Beteiligten auf den Perspektiventagen kontrovers diskutiert. Auch dort hiess es: rauft Euch doch zusammen!

Einige von uns sind immer noch frohen Mutes zum 3. Vorbereitungstreffen des Klimacamps nach Meuchefitz gefahren. Dort haben wir, wie viele andere, eine der schwierigsten und „schmierigsten“ Treffen in der letzten Zeit erlebt. Wir haben versucht, die Stimmungen aus der Bewegung, die sich nicht nur auf den Perspektiventagen geäussert hatten, auf dem Treffen wieder zu geben. Aber irgendwie kamen die Stimmungen nicht an.

Auf dem Treffen wurde sich dafür entschieden in einer ganz anderen Region zu campen als die AntiRacamp Leute, die zu dem Zeitpunkt zum einen ihren Camport sicher wussten und vor allem aus politischen Gründen sich an Hamburg gebunden fühlen. Wir hatten den Eindruck, Spielraum für die Ortsfrage gab es nur für das Klimacamp.

Nun, nach dem Treffen sind wir zutiefst frustriert. Nicht nur wir sind enttäuscht. In Meuchefitz und danach haben nicht wenige Einzelpersonen und Gruppen Enttäuschungen signalisiert, es hiess aus vielen Kreisen, dass man sich persönlich nicht mehr tatkräftig am Aufbau des Camps beteiligen würde. Damit dürfte auch das mobilisierende Potential in den Keller wandern. Der Enthusiasmus, sich mit Leidenschaft dem Kampf zu widmen, ist flöten gegangen. Die Luft ist raus.

Nun lasen wir und liessen uns berichten, dass auch Gruppen, die bei Hanau vor Ort sind, den grossen Arbeitsaufwand zur Errichtung des Klimacamps nicht stemmen können und wollen. Erst kürzlich hat sich eine neue Gruppe vor Ort gegründet, die sich reinhängen will, das ist prima.

Damit sind wir uns ganz sicher, dass die jetzige Klimcamp Vorbereitungsgruppe aus sich selbst heraus ein schönes Klimacamp auf die Beine stellt. Uns ist auch klar, dass einige in der Vorbereitungsgruppe nicht an Heiligendamm anknüpfen wollen. Aber dies können wir schon nicht verstehen: in vielen Debatten wurde darüber diskutiert, mit einer grösseren Themenvielfalt in Bewegung zu kommen und vor allem aus den Camps in die Gesellschaft hineinzuwirken. Zugleich wird sich vorgenommen die öffentlichen Diskussionen und das Bewusstsein bezüglich des Klimawandels mit linksradikalen Inhalten zu füllen und vielleicht damit zu verändern – aber warum fängt man nicht in dem Teil der Gesellschaft an, der einem schon näher steht?

Denn auch hier ist uns doch bewusst: in der linksradikalen Szene, aber auch in anderen Spektren, ist das Wissen um und der Kampf gegen Klimawandel doch noch schwach.

Mit der Entscheidung, sich bei Hanau in ein Camp zu begeben, scheint für uns ein zartes Pflänzchen gerupft worden zu sein: die spektrenübergreifendere Verbreiterung des Wissens um und die Verstärkung des Kampfes gegen den Klimawandel.

Und bei einem zarten Pflänzchen, das wir auch gerne hegen und pflegen, da scheint man zu vergessen es zu giessen: das Begehren und der Wunsch gemeinsame Sache zu machen um die Welt in emanzipatorischer Absicht zu verändern.

Wir melden uns zu Wort um noch einmal eindringlich die Beteiligten beim Klimacamp zu bitten: entscheidet Euch doch für ein Camp in der Nähe von Hamburg, zeitgleich mit dem AntiraCamp. Dann werden sicher wieder ganz viele helfende Hände und leidenschaftliche Menschen Euch zur Seite stehen um ein richtig grosses Camp aufzubauen, um damit allen unsere politischen Inhalte zu ermöglichen mit mehr Kraft zum Ausdruck zu kommen und damit wieder ein Stück weit uns und die Welt zu verändern.

Wie ihr Euch auch entscheidet, zwei Dinge möchten wir noch loswerden:

Wir schlagen eine Campübergreifende Infrastruktur AG vor. Diese könnte für alle vier Camps sich Gedanken machen und tatkräftig anpacken um die für ein Camp notwendigen Dinge zusammen zu tragen. Wir würden aus allen vier Camp Vorbereitungsgruppen diejenigen einladen, die sich um die Infrastruktur kümmern wollen. Wir kommen damit denjenigen damit entgegen, die an uns bereits jetzt schon viele Fragen richteten und hoffen Euch somit solidarisch unter die Arme zu greifen um nicht das Rad immer wieder neu erfinden zu müssen.

Wir haben uns auch entschlossen 40% des auf den Camps um Heiligendamm gesammelten Geldes für alle Camps zur Verfügung zu stellen. Unser Vorschlag ist es, im Rahmen der Infrastruktur AG herauszufinden, wieviel Geld überhaupt benötigt wird. Dort liesse sich auch eine solidarische Aufteilung des Geldes untereinander regeln.

Die restlichen 60% legen wir für das Jahr 2009 zurück. Wir geben die Hoffnung nicht auf: 2009 werden wir es hinbekommen, einen wirklich spektrenübergreifenden grossen gemeinsamen Widerstand und eine Protestwoche auf die Beine zu stellen.

Wir sind gespannt auf Eure Reaktionen!

Eure Camping07-AG.

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